 Um 18.00 Uhr an diesem Freitag schrillen bei den Verantwortlichen des THW in Worms die Funkalarmempfänger: Eine Hochwasserwelle auf dem Rhein rollt mit hoher Geschwindigkeit auf Worms zu – Grund ist die große Schneeschmelze in diesem Jahr verbunden mit den seit Tagen starken Regenfällen des Tiefs „Kriemhild“.
Im Gegensatz zu den tausenden betroffenen Menschen in den Hochwassergebieten von Polen, Ungarn und der Slowakei ist dies zum Glück nur eine Übung. Dabei ist es Zufall, dass gerade jetzt Osteuropa im Wasser versinkt, während bei uns für einen solchen Ernstfall geübt wird. Denn die Vorbereitungen für die Übung laufen schon seit November letzten Jahres.
An der Übung nehmen ca. 300 Helferinnen und Helfer teil. Neben dem kompletten THW-Ortsverband Worms – der übrigens zum ersten Mal eine Übung in dieser Dimension geplant hat und ausrichtet – sind dies Einheiten der THW-Ortsverbände aus Alzey, Bad Kreuznach, Ludwigshafen und Mainz. Ferner Einheiten des Arbeiter-Samariter-Bundes, des Deutschen Roten Kreuzes sowie der Freiwilligen Feuerwehr Osthofen.
Das Übungsszenario sieht vor, dass sich die Feuerwehr in Worms bereits im Großeinsatz befindet und eine Reihe von Einsätzen an das Technische Hilfswerk (THW) übergibt. Tatsächlich nimmt die Wormser Feuerwehr an der Übung wirklich nicht teil, weil an diesem Wochenende diverse andere Veranstaltungen stattfinden und die Feuerwehr bereits anderweitig eingebunden ist – leider, wie THW-Chef Peter Fuhrmann zugibt.
Das Einsatzgeschehen beginnt zunächst mit einer umstürzen drohenden Pappel im Liebenauer Feld recht harmlos als Folge des Starkregens und der Orkanböen. Als aber fast zeitgleich Einsatzmeldungen über einen drohenden Deichbruch sowie Ausfall der Stromversorgung in einem Pumpwerk eingehen, wird der Einsatzleitung schnell klar, dass die Wormser THW-Männer diese Aufgaben nicht alleine schaffen werden.
Da das Technische Hilfswerk modular aufgebaut ist, werden schnell weitere THW-Einheiten aus den umliegenden Städten hinzu alarmiert. Ebenso ist es erforderlich, dass die Fachgruppe Führung und Kommunikation aus Mainz anrückt, um die Einsatzleitung bei der Führung der Einheiten sowie Aufbau von Kommunikationswegen zu unterstützen.
Die Fachgruppe Elektroversorgung des THW muss unterdessen die Notstromversorgung des Pumpwerkes mittels ihrer Netzersatzanlage herstellen.
Weitere Einsatzaufgaben reihen sich an diesem Abend ein: Notdeichbau am Rheinufer, Personenrettung von verletzten Personen aus einem Keller, Verletztenrettung aus einem PKW, Ausleuchten eines provisorischen Landeplatzes für einen Rettungshubschrauber in der Nacht sowie Abstützen von zwei beschädigten Gebäuden.
Noch in der Nacht alarmiert die Einsatzleitung die Feuerwehr Osthofen für eine Löschwasserförderstrecke.
Morgens um 06.00 Uhr findet für alle Einsatzkräfte eine 60minütige Pause statt. Die Verpflegung aller Einsatzkräfte übernimmt die THW-Fachgruppe Logistik, die zugleich die SEG (Schnell-Einsatz-Gruppe)-Versorgung der Stadt Worms stellt.
Kurz danach häufen sich wieder die eingehenden Einsatzmeldungen: Retten von mehreren Personen aus einem eingestürzten Keller, Sandsackfüllen, leerpumpen eines Kellers nach Wassereinbruch, Evakuierung einer Jugendgruppe aus einem Zeltlager, Rettung eines Kranführers aus der Höhe, Rettung von eingeschlossenen Personen aus Fahrzeugen sowie Vermisstensuche.
Bei dieser groß angelegten Übung sind 30 Schiedsrichter unterwegs, um die Ausführung der gestellten Einsatzaufgaben zu beurteilen sowie das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Einheiten und Organisationen.
Dass solche Großschadenslagen eintreten können, beweist nicht nur die gegenwärtige Hochwasserkatastrophe in Osteuropa – sondern auch Großschadensereignisse im eigenen Land wie die Hochwasserkatastrophen an der Oder im Jahr 1997 sowie an der Elbe im Jahr 2002.
Daher ist es wichtig, dass die Wormser Hilfs- und Rettungsdienste in regelmäßigen Abständen ihren Ausbildungsstand auf den Prüfstand stellen.
Ein großes Lob und Dank geht an alle Helferinnen und Helfer des THW, die innerhalb dieser zwei Tage an ihre körperlichen Grenzen gestoßen sind.
Bildunterschrift: Die Verletzten werden von den Einsatzkräften in das Sanitätszelt gebracht.
Text: Carsten Wilde, stv. Ortsbeauftragter Foto: Carsten Wilde, stv. Ortsbeauftragter
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